Leseprobe

Ein Überblick über die Kapitel, die Sie im Buch erwarten.

Kapitel 1: Das Sammeln

1.1. Was heißt eigentlich „Sammeln“

1.2. Uhren-Sammler. Eine Typologie.

1.3. Was sammeln Sie denn so?

1.4. Die Sammelgebiete

1.4.1. Alter / Jahrgang

1.4.2. Herkunftsland

1.4.3. Editionen und Limitierungen

1.4.4. Mechanik / Antrieb

1.4.5. Das Werk

1.4.6. Die Anzeige

1.4.7. Der Hersteller

1.4.8. Das Einsatzgebiet

1.4.9. Sammeln nach Gefallen

Kapitel 2: Vor dem Erwerb

2.1. Erst einmal schlau machen

2.1.1. Gehen Sie nie hungrig einkaufen

2.1.2. Gier frisst Hirn

2.1.3. Tragen – nicht träumen

2.1.4. Schön, dass wir mal drüber geredet haben

2.2. Fachpresse / Print

2.2.1. Magazine / Periodika

2.2.2. Beilagen / Supplements / Sonderhefte

2.2.3. Kataloge

2.3. Online-Medien

2.3.1. Online-Magazin

2.3.2. Uhrenblogs

2.3.3. Online-Foren

2.3.4. Uhren-Stammtisch / GTG

2.4. Wertermittlung einer Uhr

2.4.1. Das Paket

2.4.2. Revision/en

2.4.3. Zustand der Uhr

2.4.4. Der Vorbesitzer

2.4.5. Privat oder Gewerblich

2.5. Preisermittlung gebrauchter Uhren

2.6. Uhren als Kapitalanlage

2.7. Fake und Hommage

2.7.1. Fake

2.7.2. Hommage

Kapitel 3: Uhren kaufen und verkaufen.

3.1. Uhren kaufen

3.1.1. Direkt beim Hersteller

3.1.2. Beim Konzessionär / im stationären Handel

3.1.3. Beim Grauhändler

3.1.4. Im Pfandhaus

3.1.5. Bei einer Auktion

3.1.6. Auf der Uhrenbörse

3.1.7. Homeshopping-TV

3.1.8. In Online-Foren

3.1.9. Bei ebay

3.1.10. Da wären ja noch…

3.2. Uhren verkaufen

3.2.1. Die Verkaufsplattform

3.2.2. Angebotstext

3.2.2. Produktfotos

3.2.3. Preisgestaltung

3.2.4. Nebenkosten

3.2.5. Verpackung und Versand

3.2.6. Versand

Kapitel 4: Aufbewahrung und Pflege

4.1. Wohin mit der Uhr?

4.1.1. Das Aufbewahren

4.1.2. Das Ablegen der Uhr

4.1.3. Der Transport

4.1.4. Die Trennung von Uhr und Unterlagen

4.1.5. Die Dokumentation

4.1.6. Die Prävention gegen Diebstahl

4.2. Die Uhren-Pflege

4.2.1. Die Reinigung (Gehäuse und Band)

4.2.2. Das Poliern

4.2.3. Das Schleifen / Mattieren / Bürsten / Satinieren

4.2.4. Das Glas polieren

4.2.5 Montage / Demontage Armband

Kapitel 5: Das Uhrenarmband

5.1. Von der Stange oder Maßarbeit?

5.2. Aftermarket oder Original?

6. Fazit: Was wollte ich Ihnen eigentlich sagen?

7. Anhang

7.1. Gebräuchliche Abkürzungen

7.2. Glossar der Uhrenbegriffe

7.3. Komplikationen

7.3.1. Datum

7.3.2. Wochentag

7.3.3. Mondphase

7.3.4. Großdatum

7.3.5. Vollkalender

7.3.6. Jahreskalender

7.3.7. Ewiger Kalender

7.3.8. Zweite Zeitzone

7.3.9. Gangreserve

7.3.10. Chronograf

7.3.11. Flyback Chronograf

7.3.12. Schleppzeiger Chronograf

7.3.13. Weltzeituhr

7.3.14. Schlagwerksuhr

7.3.15. Tourbillon


 

 

Was heißt eigentlich Sammeln?

„Ich besitze momentan zwei Uhren, bin ich jetzt schon Sammler?“
Diese ironisch gemeinte Frage eines Freundes habe ich mit einem klaren „Jein“ beantworten können.

Für mich macht sich der Begriff des Sammelns nicht an der Anzahl der Objekte fest, sondern der Leidenschaft, die ich für diese entwickle. Im Leben jedes Sammlers gibt es die Phasen der schrumpf-enden und der wachsenden Anzahl von Uhren in der Vitrine. Ich kenne Leidensgenossen, die regelmäßig von Minimierungs-Schüben heimgesucht werden, zwanzig Uhren verkaufen, um sich die eine, vermeint-liche „Exit-Watch“* zu gönnen.

Es dauert noch keine Woche, dann sind die stolzen Besitzer der einzig wahren Uhr von Entzug und Langeweile geplagt. Und das Angebot der kaum getragenen Luxusuhren wird über Nacht um dieses eine Stück erweitert. Suchen wir nach einer Definition für den Begriff des Sammelns, so könnten wir uns auf Folgendes einigen:

„Sammeln ist die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen.“

Das Besitzen ist also nur ein Teil des Ganzen, für viele Sammler sogar der unwichtigste. Habe ich es endlich geschafft, diesen bislang so unerreichbar scheinenden Schatz in meinen Besitz zu bringen – verliert er sehr schnell an Reiz. Ok, jetzt hab ich dich. Und nu?


 

1.2. Uhren-Sammler. Eine Typologie.

Uhrensammler sind ein buntes Häuflein an Verrückten, die zwar ein gemeinsames Objekt der Begierde haben, die Uhr, aber oftmals die unter-schiedlichsten Beweggründe sie zu sammeln. In einem sind sie zu 95% gleich, nämlich im Geschlecht. Die absolute Mehrzahl der Sammler ist männlich. Das hat leider zur Folge, dass Uhrenstammtischen die feminine Note fehlt.

Damit Sie später nicht sagen können, ich hätte Sie nicht gewarnt, hier ein (kurzer) Abriss meines Sammler-Lebens.

Meine erste Uhr bekam ich zur Kommunion. Ich weiß nicht mehr was es war, aber sie hatte eines dieser wunderbaren Metall-Stretchbänder, die für ein makel-los unbehaartes Handgelenk sorgten. Gestorben sind sie bei den Versuchen, das Band mindestens über den Unterschenkel, noch besser über den Kopf der kleinen Schwester zu dehnen. Die Nachfolge trat ein Perlon-Flechtband an, so eins ohne Löcher für die Dornschließe. Die billigen hinterließen im Sommer wunderbare, schwarze Streifen am Handgelenk. Aber was soll’s, Seife war zu der Zeit genauso billig.

Die erste Uhr, an die ich mich erinnere, war eine Dugena – und irgendwie kam dann lange nichts, jedenfalls in meiner Wahrnehmung. Sprung in die 80er, Beginn des Design-Studiums. Etwas Cooles und wirklich Stylisches musste her: Die Pictowatch von Junghans, design by Jakob Jensen. Punkt und Strich auf je einer drehenden Scheibe ersetzten die Zeiger. Minimal, genial und ein Must-have für jeden Designer. Es folgte die große Zeit der Quarzer, Swatch machte es möglich und öffnete auch anderen Modemarken die Tür in einem zeitweise sehr lukrativen Billig-Uhren-markt. Zum ersten Mal wurden Uhren von einer breiten Masse an Konsumenten gesammelt. Zum ersten Mal besaßen junge (und alte) Menschen mehr als eine Uhr. Die bunten Plastikuhren wurden gleich palettenweise aus den „Swatch-Boutiquen“ herausgekarrt. Komplette und ungetragene Serien wurden

zu Spekulationsobjekten – mit ähnlichem Verlauf wie bei den Telekom-Aktien. Als dann selbst Rolex be-gann, quarzbetriebene Zeitmesser herzustellen (die dann irgendwann wirkliche Sammlerobjekte wurden), boten die Schweizer Kunststoff-Verbauer auch Automatik-Werke an, die sich schnell in der Neben-kostenabrechnung bezahlt machten. Denn ich kann mich an (Batterie)-Wechselprämien von knapp 20,00 DM im Fachhandel erinnern. So lagen irgendwann an die drei Dutzend Uhren in der Sockenschublade und so hätte es auch bei der Bezeichnung „Der Mann, der gerne bunte Uhren trägt“ bleiben können.

Bis zu dem Tag, als mir mein Vater seine „Junghans Meister“ überließ. Vergoldet, 36 mm groß und ein Hauch von Max Bill im Design. An der Seite gab es eine Schraube, wenn man da dran gedreht hat, nahm das Uhrwerk seinen Dienst auf. Dadurch lernte ich den zweiten Dienstleistungsbereich rund um die Uhr kennen. Neben dem Uhr-Verkäufer traf ich zum ersten Mal auf den –Macher. Und gleich in Form eines Meisterbetriebes. Ein älterer Herr, der sich wohlwollend der Junghans annahm und ihr eine komplette Revision und eine neue Vergoldung verschrieb. Schlappe 220,- Euro Invest in familiäre Erinnerung. Der Beginn meiner Vintage-Leidenschaft, denn wo eine Junghans war, da gab es bestimmt noch mehr. Fündig wurde ich in dem großen Online-Auktionshaus. Gekauft habe ich Uhren in der Preisklasse 20,- bis 50,- Euro.

Davon angefixt, klickt ich mich durch Uhrforen und massenhaft Bilder bisher unbekannter Uhren(marken). Die 60er und 70er wurden gekauft, bunt und schräg und mit viel Kinheitserinnerung. Tief aus der Erinn-erung grub ich Markennamen wie Dugena, Tissot, Timex oder Bulova aus. Neues kam hinzu wie BWC, Nivada, Lanco oder Lasita. Und dann begann es „teuer“ zu werden, in Form der ersten Omega Seamaster 30. Über 200,- Euro für eine gebrauchte Uhr, eine Schallmauer war durchbrochen – nicht ahnend, dass noch viele Schallmauern folgen würden: die 500er, die 1.000er, die…ach lassen wir das.

Gleichzeitig wurden auch die Marken bekannter. Die erste „Navitimer“ aus dem Hause Breitling fand den Weg an mein Handgelenk. Zwei bis drei wunderbare Heuer (damals noch ohne den Vornamen TAG) kamen hinzu eine „Rose“ von Tudor. Die ersten Speedmaster (Reduced und Professinal) und nach wirklich langem Zögern und Kampf, ob ich so was wirklich tragen möchte: Eine Rolex. Rolexträger waren meiner damaligen Meinung nach entweder reich oder Krallemacher oder eine Kombi-nation aus beidem. Nach einem halben Dutzend eige-ner Krönchen (liebevolle Bezeichnung, abgeleitet vom Markenlogo, der Krone auf dem Zifferblatt) habe ich noch einen dritten Charakter innerhalb der Rolex-Familie ausgemacht: den Kenner. Wobei die reichen Blender einfach nicht aussterben wollen.

Nun war ich pekuniär schon locker 4-stellig. Es war meinem Dispo geschuldet, dass für jeden neuen Traum mindestens ein altes Lieblingsstück in gute Hände abgegeben wurde. Nicht auszumalen, wäre ich wirklich reich und … ich lenke ab. Eines der Probleme beim Sammeln ist, dass bei fortschreitender Leiden-schaft immer mehr Objekte der Begierde aus den Tiefen der Schweizer Alpen hervorsteigen.

Markennamen, die ich vor drei Jahren noch nicht aussprechen konnte (und da gibt es in der Schweiz einige) fachsimpeln mir jetzt wie selbstverständlich von den Lippen. Werden liebevoll verkosenamt (Dorni, Steini, Omi, Krönchen). Oder lässig gekürzelt (Speedy, Exe II, Sub, PAM). Spätestens da habe ich alle klassischen Sammel-Kriterien über Bord geworfen und nur noch streng nach „haben will“ geordert. Es geht halt nix über eine klare Linie.

Seither habe / hatte ich eine Besitzbandbreite von rund 60 Marken und ein paar Hundert Modellen. Einige davon mehrfach, nicht zeitgleich, sondern ge-kauft, verkauft, vermisst, getrauert, wieder gekauft … Wiederholungsschleife. Der letzte Stand der Dinge ist eine erneute Vintage-Phase im Klassikerbereich: Eine Rolex GMT aus den 90ern, eine Omega Speedy aus den 80ern. So was halt, was man tragen kann und was trotzdem keinen Wert mehr verliert. Auch wenn sie mich eines Tages verlassen (ich bin gnadenlos käuflich) weiß ich, dass sie irgendwann zurückkommen werden. Sammeln ist auch ein ständiges Wiedersehen mit alten Freunden.

Hier nun also die vollkommen unwissenschaftliche Sezierung der Gattung Sammler in meine ganz persönliche Typologie.

Der Kaufrauschige

Es gibt Uhrenliebhaber, die haben gegenüber anderen den Vorteil, nicht auf jeden Euro schauen zu müssen. Das meine ich weder abwertend noch neidisch. Es ist ein Fakt, der diesen Typus zum besten Freund der Konzessionäre einer Marke macht. Meist ist die Sammelleidenschaft markenabhängig, was natürlich vom Händler unterstützt wird. Gerne auch in Form von guten „Freundschafts-Preisen“, die sich bei genau-erem Hinsehen meist als Standard-Kondition herausstellen.

Das Jagdrevier des Kaufrauschigen ist das Schauf-enster oder die Homepage der Manufakturen. Die Bedarfsweckung durch den Juwelier startet oft per Telefon („…als ich den neuen Chrono gesehen habe, da wusste ich, dass ich Sie sofort anrufen muss…“) und wird mit einem Gläschen Champagner im Laden-lokal abgeschlossen. Die Gespräche über Marke und Technik bleiben meist an der Oberfläche, da das Verkaufspersonal (inkl. Inhaber) nun wirklich nicht über jedes neue Modell informiert sein kann. Verständlich, denn Uhren sind deren Profession, nicht deren Hobby. Das Fach-simpeln schweift gerne einmal ins Gesellschaftliche ab („…der Herr Professor trägt die selbe Uhr, allerdings nur in Edelstahl…“).

Der Konzi-Kunde ist in seltenen Fällen auch Wieder-Verkäufer, warum auch. Er hält es bei seiner Uhr mit dem Werbespruch einer Edelmarke: „Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation.“


 

1.4. Die Sammelgebiete

Wenige Sammler werden sich vor dem Kauf ihrer ersten „richtigen“ Uhr die Frage gestellt haben: „Nach welchen Kriterien soll ich denn nun sammeln?“ Die meisten sind wohl – so wie ich – einfach reingerutscht und haben erst im Laufe ihrer Karriere festgestellt, welche Stücke sich denn gehäuft im Uhrenkästlein befinden. Viele „sammeln wild drauf los“, aber einige haben auch eine ganz klare Vorgabe an die Objekte der Begierde.

An dieser Stelle daher ein kleiner Überblick über die wichtigsten Kriterien, die sich natürlich in der Tiefe noch viel weiter verzweigen ließen. Ich habe mich für Folgende entschieden:

  • Alter / Jahrgang
  • Herkunftsland
  • Editionen / Limitierungen
  • Mechanik / Antrieb
  • Werk / Funktion
  • Anzeige
  • Hersteller / Marke
  • Einsatzbereiche
  • Nach Gefallen

 1.4.1. Alter / Jahrgang

Eine der grundsätzlichen Entscheidungen bei der Anschaffung einer Uhr: Kommt nur eine neue infrage oder hat sie schon ein kurzes oder langes Leben an einem fremden Handgelenk hinter sich? Natürlich möchte niemand eine „alte“ Uhr, daher wur-de der Begriff „Vintage“ erfunden. Das hört sich schön exklusiv und trotzdem abgegriffen an – aber edel abgegriffen, „used look“, Patina inklusive. Leider fehlen vielen Vintage-Exemplaren das so geliebte Zubehör, die wertsteigernde Originalbox und die Sicherheit gebenden Dokumente über den Kauf oder die Garantie (die sowieso schon seit 32 Jahren abgelaufen ist).

Alles Argumente, neben der Vorbesitzer-DNA im Lederband, warum vielen Sammlern nur eine neue Uhr ins Einfamilienhaus kommt. Schön akkurat ausgefüllte Zertifikate, gerne auch mit Namenseintrag, eine keimfrei folierte Uhr und mindestens drei Umkartons nebst Juwelier-Tragetasche. Da weiß man was man hat, eine Uhr mit LC 100 und eine Klavier-lack-Holzbox in den Maßen 40x60x30 cm und einem Kampfgewicht von knapp zwei Kilo. Halt eine Uhr wie alle anderen, ohne Geschichte, ohne Lebensspuren, dafür mit voller Hersteller-Garantie.

Alt oder neu ist der erste Scheideweg des Sammlerlebens. Ich persönlich komme aus der Vintage-Ecke. Was meine ersten mechanischen Uhren betrifft – und leider immer mehr auch mein Alter. Ich war ein „Phasen-Sammler“, also einer, der sich für die Uhren eines bestimmten zeitlichen Abschnittes interessierte. In meinem Fall die bunten Modelle der 70er-Jahre. Optisch zwischen PRIL-Blume und Africola-Rausch angesiedelt. Marke und Modell nebensächlich, Hauptsache contradezent.

Ein Spezialfall der zeitabhängigen Sammler sind die Jahrgangs-Fetischisten, die sich alles unter den Nagel reißen, was sich das Entstehungsjahr mit dem des neuen Besitzers teilt. Dabei ist Marke und Modell nebensächlich, wobei man beide Ansprüche auch miteinander kombinieren kann. Pech hat, wer auf LED-Uhren steht, aber leider bereits 1943 das Licht der Welt erblickte.

Pech hat ebenfalls, wer lächelnd einen fünfstelligen Betrag für eine Daytona „Paul Newman“ mit Original-papieren hinblättert ohne darauf zu achten, dass die Seriennummer das Geburtsjahr der Uhr definiert, nicht der Kassenbon. Eins sollten Sie bedenken. Der Satz: „Meine Uhr ist genauso alt wie ich“ ruft selten Bewunderung hervor, schon eher ein mitleidiges Lächeln. Nun hat der Kerl schon den guten Job und muss so einen alten Schrott tragen.


 

2.6. Uhren als Kapitalanlage

Ich habe jetzt über Wert und Bewertung gesprochen. Ein weiterer Apfel dieses Wortstammes, der nicht weit entfernt fällt, ist der Liebling der kapitalinteressieren Presse: „Wertanlage“. Tausendfach gestellt und genauso verschieden beantwortet, taucht die Frage wöchentlich in Foren, Blogs und dem gut sortierten Zeitschriftenhandel auf: „Eignen sich Uhren als Kapitalanlage? Wenn ja – welche Marken am besten?“ Sind Uhren die nächste Telekom-Aktie? Verdrängt die goldene Rolex den goldenen Barren aus dem Tresor? Wenn auch Sie sich diese Frage stellen und nicht beantworten können, schleudere ich Ihnen ein klares „Für Sie nicht!“ entgegen. Die Begründung folgt auf dem Fuße:

Uhren sind Zeitmesser. Dafür konstruiert getragen und benutzt zu werden und – die Zeit zu messen. Sie Wert an- oder wegzulegen ist der Uhr als mechanischem Werkzeug nicht dienlich. Uhren sind Handelswaren. Der Händler kauft günstig und verkauft teurer. Das nennt man Handelsmarge und nicht Spekulationsgewinn. Ansonsten dürfen Sie auch gerne Socken oder Abflussreiniger als Kapitalanlage betrachten.

„Wenn das Geld nix mehr wert ist, dann hab ich wenigstens noch die Uhren.“ Das stimmt wohl – doch wie viele Brötchen bekommen Sie dann für Ihre Breitling Navitimer?

„Hätte ich 1967 eine Submariner gekauft, bekäme ich heute das 20-fache dafür.“ Warum haben Sie es denn nicht gemacht? Das ist doch wohl der Beweis, dass Ihnen die Tatsache „Uhr als Kapitalanlage“ nicht bekannt war. Und im Nachhinein sind wir alle schlauer. Aber wenn Sie es drauf anlegen: kaufen Sie gerne 20 Submariner…jetzt…nur Mut… Es stimmt schon, dass die Preise der meisten Nobelmarken ständig steigen. Wenn Sie jetzt eine solche Uhr kaufen und ungetragen in den Tresor legen, haben Sie rein rechnerisch in 5 Jahren eine nagelneue Uhr, für die Sie rund 25% weniger bezahlt haben, als Sie dann (in fünf Jahren) auf den Tisch legen müssten. So weit so gut. Nun kapitalisieren Sie doch mal Ihren Preisvorteil und Sie werden sich wundern.

Denn in fünf Jahren (genauso wie heute) werden Sie online Angebote dieser Uhr finden, die gleich oder günstiger Ihrem Einkaufspreis liegen. Warum? Weil es Profis gibt, die aufgrund der gekauften Stückzahlen Einkaufskonditionen bekommen, von denen wir Otto Normaluhrenträger nur träumen. Da gibt man dann gerne mal 25% Rabatt. Als Händler mit Garantie. Und Sie kommen mit einer fünf Jahre alten „Safequeen“ im Privatverkauf ohne Gewährleistung um die Ecke. Viel Spaß mit dieser Kapitalanlage. Und wer glaubt, dass Uhrenpreise immer nur steigen werden, der hat auch Manfred Krug und seiner Telekom-Aktie vertraut.

Vieles, was von renommierten Finanzmagazinen zum Thema Uhr (ab)geschrieben wird, kann einer einfachen Prüfung nicht standhalten. Ich zitiere aus einem Artikel des „manager magazins“ im Zusammenhang mit der Sammelwürdigkeit einzelner Marken (hier Rolex) aus dem April 2013:

„Ein Beispiel ist der Klassiker schlechthin aus jenem Hause, das Modell „Daytona“ im Edelstahlgehäuse. Eine solche Uhr kann allerdings nicht einfach im Laden gekauft werden, erläutert Löffler. „Man muss sich erst jahrelang durch Kontaktpflege und stetige Kaufaktivitäten den entsprechenden Status erarbeiten“, sagt er. „Erst dann kommt man bei einer neuen ‚Daytona‘ zum Zuge.“

Herr Löffler, der „heute Wohlhabende und Prominente beim Kauf berät“, schreibt da wohl auch ein wenig Eigennutz in die Zeilen. Hat er sich doch bestimmt den „entsprechenden Status“ erarbeitet. Sollten Sie, lieber Leser, diesen Status noch nicht besitzen, googeln Sie doch einfach mal die oben genannte Uhr in Verbindung mit Suchbegriffen wie „neu“ und „shop“. Sie werden sich wundern, wie viele Daytona Sie von jetzt auf sofort bei seriösen Händlern ordern können. Unterhalb des Listenpreises versteht sich.

Abschließend möchte ich sagen: Ja, man kann Geld in Uhren anlegen, ohne es zu verbrennen. Auch in Kunst, in Whiskey oder Oldtimer. Die Frage ist nur: Welche Künstler, welchen Brenner und welches alte Auto? Mit der Zeit werden Sie genügend Erfahrungen und Uhren gesammelt haben, um sich diese Frage selbst beantworten zu können. Bis dahin sehen Sie es bitte als schönes Hobby und kapitalbindende Leidenschaft.

Ausnahme:

Sollten Sie aber eine Rechtfertigung Ihrer Uhrensucht gegenüber Ihrer Frau benötigen: Eine Uhr am Handgelenk bringt mehr als das Geld auf dem Girokonto.